Montag, 7. Februar 2011

Schwimmende Inseln auf dem Titicacasee



Alleine sein Name ist so klangvoll, dass ein Besuch des Titicacasees für mich fast schon obligatorisch war. Doch dies war nicht der einzige Grund. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses höchstgelegene schiffbare Gewässer der Welt (3810 Meter ü.M.) auf dem direkten Weg zwischen Cusco und La Paz lag, meiner ersten Anlaufstation in Bolivien, war dort vor allem kulturell einiges geboten. Auf dem knapp 200 Kilometer langen See wohnen nämlich heute noch mehr als 2000 Uruindianer, die ihre kleinen Dörfer wie schon vor hunderten von Jahren auf schwimmenden Inseln errichten und darauf leben.

Der Nachtbus spülte mich morgens um 7 Uhr direkt am Ufer des Titicacasees in Puno an. Ich hatte kaum geschlafen in dieser holprigen Nacht und war erledigt. Noch immer hatte ich mit der Höhe zu kämpfen. Zudem steckte mir noch die anstrengende Kletterpartie auf Machu Piccu in den Knochen, die vermutlich ebenfalls nicht allzu förderlich war für mein körperliches Befinden in diesen Tagen. Kurz vor der Abfahrt in Cusco hatte ich mir deshalb in einer Apotheke noch ein paar Medikamente gekauft, die angeblich helfen sollten gegen Übelkeit, Nasenbluten, Kopfweh und all die anderen Wehwehchen der Höhenkrankheit. Ohne wirklich zu wissen, was in den rot-weißen Pillchen steckte, aß ich artig eines nach dem anderen auf und wartete nun auf ihre Wirkung.

Die Wartezeit auf das Boot, was mich noch am selben Morgen zu den "Islas flotandes" schippern sollte überbrückte ich mit einer herzlichen Plauderei mit einer Verkäuferin von Handarbeiten, die auf dem Marktplatz nach Kundschaft suchte. Während dieses Gesprächs wurde mir überraschend bewusst, wie viel Spanisch ich mittlerweile dazu gelernt hatte in der kurzen Zeit, die ich in Südamerika auf mich alleine gestellt war: Von null auf Smalltalk in weniger als fünf Wochen. So konnte es weitergehen.

Um 9 Uhr legte das Schiff an für das Boarding. Mir war auf den ersten Blick klar welche Art von Veranstaltung dies werden würde. Denn offensichtlich lag der Titicacasee nicht nur für mich praktisch auf der Reiseroute gelegen, sondern auch für viele andere, namentlich vor allem japanische Pauschaltouristen, in deren Mitte ich mich plötzlich wiederfand. Die Fahrt begann mit einem nervtötenden Panflötenintro und der peinlichen Ansprache des "Tour Guides". Übermüdet ließ ich beides über mich ergehen. Doch spätestens als mir jemand versuchte eine Schwimmweste umzulegen, sträubte sich alles in mir. Dies konnte ich beim besten Willen nicht ertragen. Nicht auf diesem Boot. Nicht auf diesem topfebenen Teich. Nicht nach allem was ich fünf Tage lang auf hoher See zwischen Panama und Kolumbien erlebt hatte. Ich lehnte dankend ab und versuchte mich aufs Deck zu verkrümeln. Dies wurde mir aber prompt verwehrt - aus Sicherheitsgründen sei dort nur Platz für sechs Seelen. Ich beherrschte und überredete mich, dass die einzige Möglichkeit, diesen Morgen halbwegs genießen zu können darin bestünde, mich in mein Touristenschicksal zu fügen.

Der Plan ging auf. Wir kamen auf den Inseln an, wurden dort mit einem beschwingt fröhlichen Singsang von buntgekleideten Uruindianern empfangen und über die Insel geführt. Ich spielte das heitere Spielchen mit, kaufte mich sogar für ein paar peruanische Sol auf der 10-minütigen Zusatzrundfahrt auf einem der urtümlichen Schilfboote ein und nach einer Weile genoss ich es regelrecht, einmal völlig ungeniert mit meiner großen Kamera um den Hals bewaffnet herumzurennen und die Umgebung abzuschießen. Auch die Erklärungen unseres Tour-Guides wurden zunehmend spannender. Wir erfuhren wie das Wurzelwerk des Totora-Schilfs die schwimmende Basis für die Inseln darstellte. Überhaupt sei das Schilf die wichtigste Lebensgrundlage für die Uro-Indianer. Aus ihm würden die Boote für den Fischfang konstruiert und auch die einfachen Hütten bestünden daraus. Selbst in der Ernährung spiele das Schilf eine maßgebliche Rolle. Am Ende war der Besuch auf den schwimmenden Inseln trotz seines touristischen Charakters ein lohnenswertes Unterfangen. Und bei den wenig möglichen Einblicken hinter die Kulissen konnte man wage erahnen, wie das Leben weiter draußen auf dem See abläuft und welch großartige Gemeinschaft der indogenen Bewohner dahinter steckt. Zum Abschluss gab es noch den Titicaca Touristen Stempel in den Reisepass und fertig war die Tour.

Fun Facts:
  • Der ursprüngliche Grund für den Bau der "Islas flotandes" war der Schutz vor kriegerischen Inkas.
  • Der Namen des Titicacasees besteht aus zwei Wörtern der Quechua und Aymara Sprache: titi heißt „Große Katze“ oder „Puma“ und kaka heißt „grau“. Eine liegende Katze ist zu erkennen, wenn die Landkarte mit dem See auf den Kopf gestellt wird.

Checklist:
  • über schwimmende Inseln gelaufen
  • Im Schilfboot auf dem höchst gelegenen See der Welt gefahren
























































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