Donnerstag, 23. Dezember 2010

Das Leben ist eine Tankstelle



Costa Rica bedeutet übersetzt "reiche Küste". Leider wurde uns auch direkt klar, wo der ganze  Reichtum herkommen muss - von uns. Nirgendwo sonst in Mittelamerika mussten wir so tief in die Tasche greifen, um die einfachsten Dinge des Lebens zu regeln, wie hier. Abends ausgehen zum Abendessen war der Fehlplan. Wir wähnten uns besonders schlau und entschlossen uns, am ersten Abend einzukaufen und in der hosteleigenen Küche selbst zu kochen ansatt astronomische Summen für einen halben Finger breiten Hamburger und drei Pommes Frites zu berappen. Doch zu früh gefreut. Sämtliche Supermärkte an der Küste Costa Ricas sind fest in chinesischer Hand und die Preise in etwa vergleichbar mit denen einer Araltankstelle auf der A5. Für eine einzelne Zwiebel blätterten wir lockere $ 1,30 auf den Tisch und so wurde unser Töpflein "Spagbol" am Ende ein relativ absurder Luxus.

Aber ist man erst einmal einige Tage am selben Fleck, findet man selbst in Costa Rica ein paar Schnäppchen und man kommt durch den Tag, wenn auch etwas asketischer als an anderen Orten auf unserer bisherigen Reise. Doch schließlich waren wir weniger zum Essen als vielmehr zum genauen Gegenteil hierher gekommen - Aktivurlaub. Genauer gesagt, Wellenreiten. Und das war grandios! Wir verbrachten in Costa Rica 9 Tage auf dem Meer und probierten uns in den Wellen dreier verschiedener Surfspots: Montezuma, Mal Pais und Dominical.

In diesen kleinen Örtchen, die meist nur aus einer handvoll Hostels, Supermärkten und Restaurants bestehen dreht sich im Grunde alles nur um eines: das Surfen. Einheimische und Touristen gleichermaßen teilen sich die Wellen und größtenteils weht hier ein äußerst angenehmes Lüftchen freundschaflticher Atmosphäre  wie man sie nur an solchen Orten vorfindet, wo sich viele Gleichgesinnte treffen.

In Mal Pais fand sich sogar gleich die versammelte Elite mittelamerikanscher Gleichgesinnter ein, denn dort wurde zu unserer Überraschung ein großer Surfcontest veranstaltet. Flankiert von hübschen "Reef-Girls" stürmten die Könner der Szene das Wasser um der Menge und der Jury ihr ganzes Repertoire unter Beweis zu stellen. Dies gesehen, bleibt festzustellen, dass ich auf jeden Fall noch ordentlich Luft nach oben habe in dieser Sportart.

Auf dem Weg zu einem der Surfstrände ereignete sich noch eine sehr ergreifende Szene. Während unseres knapp 40-minutigen Fußmarsches zu der einzig surfbaren Welle der Gegend entdeckten wir eine große gestrandete Schildkröte. Beim Versuch ihr wieder zurück ins Wasser zu helfen bemerkten wir erst, wie sichtlich geschwächt sie war. Ein vorübergehender Einheimischer erzählte uns, dass es üblich sei, dass Schildkröten am Ende ihrer Tage wieder zurück an ihren Geburtsstrand kehrten, um dort den großen Kreis des Lebens zu schließen. Wir ließen den Dingen also ihren Lauf und wurden ehrfürchtig und andächtig Zeuge der letzten Atemzüge eines langen Lebens. Es war ein sehr spezieller und melancholischer, ja geradezu feierlicher Moment dem wir ungewöhnlich nahe beiwohnen durften und unsere letzte Ehre erweisen konnten.


Fun Facts:
  • Verkehrte Welt in Costa Rica - hier sind es Rucksackreisende, die die Strände rauf und runterrennen, um Getränke, Essen und Handarbeiten zu verkaufen und versuchen, sich damit einigermaßen über Wasser zu halten.
  • in Costa Rica haben auffallend viele Menschen Goldzähne
  • Geschwindigkeitsminusrekord: 120 km Chicken Bus in 12 Stunden
  • Fortbewegungsmittel Nr.1 in den kleinen Surforten entlang der Küste sind Quads.

Checklist:
  • Sparmaßnahmen: eigenes Frühstück, Mittagessen, und Abendessen zubereitet
  • neben Stingrays gesurft
  • Skat mit Hans gespielt (da uns zum Skat spielen stets der dritte Mann fehlte, musste kurzfristig unser fiktiver Hans einspringen. Skat spielen mit Hans ist allerdings nur mittelmäßig befriedigend, denn Hans ist nicht der allerbeste Spieler und weiß nicht immer alle Farben, geschweige denn die Trümpfe zu bedienen. Unterhaltsam ist Skat mit Hans aber allemal.)















































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