Samstag, 25. Dezember 2010

Notstand in Panama City



Dann kam der Regen. Wir wussten bereits aus den Nachrichten, wie furchtbar es in den letzten Tagen in Panama geregnet hatte. Es war daher fast unvermeidbar, dass wir davon auch unseren guten Anteil abbekommen würden. Und wir bekamen ihn - mehr als uns lieb war.
Die dürsteren Vorboten zeichneten sich bereits am Morgen unserer Abreise aus Farallon in Form von bedrohlich wirkenden, dunklen und unheilbringenden Regenwolken am fernen Horizont ab. Das passte zu unserer Gemütslage an diesem Tag. Wir hatten in den letzten Tagen zwar schon häufiger davon gesprochen, wie es wohl sein würde, wenn wir unsere letzten gemeinsamen Straßenkilometer zurücklegen würden, aber wir waren auch immer wieder sehr gut darin gewesen, diese Gedanken schnell zu verdrängen. An diesem Morgen stand der unvermeidbare Moment dann aber plötzlich und gewaltig vor uns - die letzten 100 Kilometer gemeinsam auf der Panamericana. Uns beiden wurde komisch bang ums Herz. Noch aber lagen vier volle Tage vor uns, bevor Svenja endgültig ihre Heimreise antreten würde und wir wollten in diesen Tagen noch viel zusammen unternehmen und jede wetvolle Stunde auskosten. Wir versuchten also die melancholischen Gedanken hinten anzustellen und uns der Sonnenseite zu widmen.

Dumm war nur, dass es um die Sonne nicht allzu gut bestellt war. Denn bereits eine Stunde bevor wir Panama City erreichten begann es aus allen Himmeln runterzuschütten. Unaufhörliche Regenmassen waren das. Da wir auf unserer Reise bisher so gut wie keinen Regen erlebt hatten, glaubte ich zunächst, diese Wasserstürme besonders heftig zu empfinden. Aber sie waren tatsächlich sehr heftig. Sie waren sogar so heftig, dass die gesamte Wasserversorgung in Panama für zwei Tage zusammenbrach. Angeblich waren 5 der 7 riesigen Reservoirs, die die Stadt mit Wasser versorgen aufgrund der Überschwemmungen außer Gefecht gesetzt - geradezu ein ironischer Umstand. Allerdings auch ein sehr dramatischer. Man stelle sich vor, eine Millionenstadt zwei Tage ohne fließendes Wasser. In unserem Hostel konnte man nicht mehr auf die Toilette gehen, Geschirr häufte sich an, kein Kochwasser mehr, kein Händewaschen, Zähneputzen, Duschen. Schnell wird einem da bewusst, wie sehr wir auf fließendes Wasser angewiesen sind. Es war das Dauerthema, das die Stadt in Atem hielt.

Glücklicherweise hatte Panama City einiges an Regenaktivitäten zu bieten - Langeweile ausgeschlossen. Vor allem das Christmas-Shopping war groß geschrieben in diesen Tagen. Am zweiten Tag besuchten wir einen absolut gigantischen Mall. Wir gingen darin buchstäblich verloren und hatten unsere liebe Mühe, den Ausweg wieder zu finden. Der Shoppingtag tat gut und es fühlte sich irgendwie großartig an, endlich einmal wieder maximalem Kommerz ausgesetzt zu sein.

Am ersten regenfreien Tag besuchten wir schließlich den letzten und großen Sightseeing Höhepunkt unserer Reise durch Mittelamerika: der Panama Kanal. Schon bei der Anfahrt in unserem Taxi sahen wir von Weiten die unwirklich wirkende Szene eines riesigen Tankschiffs, das so aussieht, als würde es förmlich durch eine tropische Hügellandschaft manövrieren. Der größtenteils von Amerikanern gebaute Kanal verbindet die Karibik mit dem Pazifik. In der Mitte liegt ein Stausee, auf den die Tanker zunächst hoch und dann wieder nach unten geschleust werden müssen. Die Schleusen sind damit der Engpass und liefern gleichzeitig die Kulisse für das langwierige Schauspiel, das sich unzählige Male am Tag wiederholt. Wir blieben eine überdurchschnittlich lange Weile auf der Aussichtsplattform und schauten fasziniert zu, wie sich Tanker um Tanker durch die engen Schleusen schob.


Fun Facts:
  • Die Kosten für die Passage durch den Panama Kanal richtet sich nach Gewicht - im Schnitt 300.000 Dollar pro Schiff!
  • Durch den Panama Kanal fahren ca. 40 Tanker pro Tag.
  • "Panamax" ist das Maß, der maximalen Breite, die ein Schiff haben kann, um durch die Schleusen des Panama Kanals zu manövrieren. Die meisten Schiffe, werden eigens hierfür maßangefertigt.
  • Der höchste Punkt, des Panamakanals liegt 26 Meter über dem Meeresspiegel. Die Gesamtlänge aller Schleusen zusammen genommen ergibt ca. 3 km.
  • In seiner hundertjährigen Geschichte musste der Panama Kanal erst zwei Mal geschlossen werden. Kurz vor unserer Ankunft dann aufgrund der heftigen Regenfälle ein drittes Mal. Siehe auch: Spiegel Online.

Checklist
  • Über den Panama Kanal gefahren
  • geshopt auf dem Weihnachtsmarkt von Panama City




































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