Montag, 10. Januar 2011

Bescherung per Skype



Eine unendliche Müdigkeit machte sich breit, als ich nach 5 Tagen Schifflein fahren endlich wieder festen Boden unter meinen Füßen hatte. Unsere komplette Überseecrew checkte ein im selben Hostel mit Innenhof, Swimmingpool, Dachterasse und allen möglichen anderen Annehmlichkeiten, die man sich nach so einer Odyssee nur wünschen konnte. Schnell noch eine Riesenportion Spaghetti, ein Bier und dann ab in die Falle. Ich schlief die Nacht durch wie ein Stein. Daran konnte nicht einmal die Tatsache etwas ändern, dass 10 Meter Luftlinie neben meinem Ohr eine Punkband die Nacht durch lärmte.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr stürmte ich ausgeschlafen und frivol in meinen ersten Tag in Südamerika. Ich traute meinen Augen nicht, als im Hof meine drei australischen Schiffsgenossen noch immer wach waren und feierten. Neben ihnen standen eine beträchtliche Anzahl leerer Rum- und Colaflaschen. Das Rätsel um die außergewöhnliche Energieleistung der drei Partylöwen war schnell gelüftet. Wir waren jetzt schließlich in Kolumbien, wo bekanntermaßen nicht nur Weihnachten weiß gefeiert wird. Wie sich herausstellte hatten sich die Jungs nachts gleich mehrere Male in unserem Gemeinschaftsbad das ungestreckte Energiepülverchen durch die Nase gezogen und auf diese Weise die Nacht zum verlängerten Tag gemacht. Der Zauber hielt noch an, bis zum berühmten "Crash and Burn" gegen Nachmittag. Da sahen die Buben dann gar nicht mehr gut aus. Zu allem Unglück hatten sie 6 Stunden später einen Nachtbus ins Landesinnere gebucht. Wahrlich keine Kinder von Traurigkeit.

Es war Heilig Abend. Doch eine heilige und festliche Stimmung wollte irgendwie nicht aufkommen im 40 Grad brütenden Cartagena. Ich suchte nach ein Wenig Abgeschiedenheit in der wunderschönen Altstadt der Küstenmetropole. Aber gerade weil sie wirklich unübertroffen piktoresk, verspielt und eine einzige Augenweide ist, laufen hier auch ganze Heerscharen von Touristen rum. Nicht zuletzt wegen eben dieser Altstadt ist Caratagena eine beliebte Anlaufstation für Luxusliner und Traumschiffe.

Ich suchte die Flucht am Strand auf der anderen Seite der Stadt. Erfolglos. Auch hier reihte sich ein Hochhaushotel am anderen und die wenigen Flecklein Sandstrand waren maßlos übervölkert. Doch auf einem weit ins Meer reichenden Wellenbrecher gelang es mir, ein paar schöne Gedanken zu sammeln und mir vorzustellen, wie meine Liebsten in diesem Moment zuhause unseren alljährlichen Heiligabendspaziergang unter den schneebeladenen Tannen des Schwarzwalds unternahmen. Es war sehr eigenartig an diesem Tag alleine und am anderen Ende der Welt unterwegs zu sein. Ich vermisste meine Eltern und meinen Bruder.

Die gute Nachricht war, dass es mittlerweile so wunderbare Technolgien wie Skype gibt und wir um 22:30 Uhr MEZ (17:30 in Kolumbien) ein Liveschaltung vereinbart hatten. Es war ein sehr wohltuendes Gefühl plötzlich zuhause im Kreis der Familie zu sein. Alle strahlten, während im Hintergrund der kunstgeschmückte Christbaum leuchtete und wir gemeinsam zwei Lieder sangen. Jetzt kam Weihnachten auch bei mir an. Ich war gerührt. Als dann auch noch einer von Mamas selbstgebackenen Weihnachtsbrötchen durchs Bild huschte war ich nah dran, in meinen Rechner zu beißen. Ich beschloss, dass es jetzt Zeit war für die ferngesteuerte Bescherung, die ich von langer Hand geplant hatte. In der Wohnung hatte ich nämlich ein kleines Weihnachtspaket versteckt, welches die Zuhausegebliebenen nun suchen und öffnen sollten. Die Überraschung war gelungen und die Weihnachtsfreude in den Gesichter groß. Nach einer herzlichen Stunde verabschiedeten wir uns alle zufrieden und ich machte mich bereit für das zweite Weihnachtsfest an diesem Abend.

Dieses begann mit einem Reis-,Fleisch-, und Gemüsebrei, eingewickelt im Bananenblatt und endete mit Poolparty und Punkrockband in unserem Hostel. Und dazwischen lag noch das ein oder andere Glas Rumcola. Stille Nacht, heilige Nacht.

Fun Facts:

  • ein Tagesausflug von Cartagena entfernt liegt ein Vulkan, der anstelle von heißer Lava, warmen Schlamm spuckt. Das Schlammbad im Krater ist bei einem Besuch obligatorisch.
Checklist:
  • Weihnachtsspaziergang am Karibikstrand
  • an Heiligabend im Pool gebadet







































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