Mittwoch, 26. Januar 2011

Die Luft wird dünn



Vom Meeresspiegel auf 3500 Meter, so lässt sich in wenigen Worten meine jüngste Busfahrt von Lima nach Cusco zusammenfassen. Doch mit dieser Sparsamkeit wäre dem Husarenritt nicht Recht getan, denn dazu war er eindeutig zu lange. Genauer gesagt 23 Stunden voller Leiden. Was war passiert? Das grundlegende Problem war, dass ich keinen der komfortablen Liegesitze mehr ergattern konnte. Dies wiederum bedeutete, dass ich die Fahrt in guter alter Schulbusbequemlichkeit erleben durfte. Allerdings kamen noch einige spezielle Umstände hinzu, die ich so aus meinen Schulbuszeiten nicht unbedingt kannte.  Zunächst war da mein verschnupfter und kommunikationsarmer Sitznachbar, der es zustande brachte, über die Fahrt verteilt eine komplette Rolle Klopapier vollzurotzen. Genau hinter mir saß ein Frau mit Baby, welches nicht daran sparte seinem Unmut über diese Reise in Form von breitem Geplärr Ausdruck zu verschaffen. Die beiden älteren Damen links von mir bemühten dagegen im Dauereinsatz ihre Kotztüten. An Schlaf war aufgrund des Kurvenreichtums auch nicht zu denken und schon gar nicht nachdem sich bei mir die ersten Erscheinungen von Höhenkrankheit breit machten: Kopfweh, Nasenbluten, Übelkeit, Atemnot, um nur einige zu nennen.
Besonders unterhaltsam war die Klosituation. "Solo Urinario" war stets das erste, was uns der Busstewart in seinen 25 Ansprachen einzubläuen wusste. Musste jemand ein größeres Geschäft verrichten, so teilte er dies dem Stewart mit, welcher daraufhin veranlasste, dass der Bus mitten in der Botanik zum Stillstand kam. Zwei Minuten später saßen dann die Weiblein ganz artig links vom Bus und die Männlein artig rechts vom Bus in der Hocke und gaben ihrer Notdurft Freilauf. Ein Bild für Götter. Jedenfalls besser als jedes einzelne Bild, der sechs gezeigten Spielfilme an Bord, die allesamt aus einer Zeit stammten, in der ich noch nicht von dieser Welt war. Doch selbst 23 Stunden gehen irgendwann zu Ende und so kam auch dieser Bus am frühen Abend in Cuzco an.

Hätte ich nicht derart mit der Höhe kämpfen müssen, wäre mir diese beschauliche Stadt sicherlich noch besser in Erinnerung geblieben, als sie es ohnehin schon tat. Denn hinter jeder Ecke erwartete einen hier ein neues hübsches Plätzlein, eine kleine Kirche, ein schmuckes Gässchen. In den Märkten hatte man gar keine andere Wahl als sich der ansteckenden und bunten Turbulenz hinzugeben und mit der geschäftigen Masse zu gehen. Im Zentrum des Geschehens dann der atmosphärenreiche "Placa de las Armas", der wunderschön am Fuß eines Hanges gelegen war und in seiner Mitte voller stolz seinen großen Springbrunnen präsentierte. Gut und gerne hätte ich hier noch den ein oder anderen Tag verweilen können, doch es ging nicht. Denn wie für viele andere, war Cuzco auch für mich vor allem eines, das Sprungbrett für einen der grandiosesten Höhepunkte dieser Reise: Machu Piccu. Bereits am nächsten Morgen wollte ich in die unmittelbare Nähe dieses sagenumwobenen Ortes gelangen. Ich war aufgeregt!

Fun Facts:
  • Cuzco bedeutet in der Quechua Sprache "Nabel der Welt."
Checklist:
  • Höhenkrank




















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