Donnerstag, 20. Januar 2011

Die langen Linken



Surfen und Sandruinen, das waren die großen Themen in Nordperu. Der Pazifik hatte mich wieder und ich konnte es nicht erwarten, in die Wellen zu hopsen. Der erste Stop nach meinem Sprung über die umständliche peruanische Grenze (die Immigrationsbüros auf beiden Seiten der Grenze liegen jeweils 4km außerhalb der eigentlichen Grenzorte) hieß Mancora und war offensichtlich die Anlaufstation für alle partytüchtigen Sonnenanbeter Südamerikas. Der Ort war völlig überlaufen mit Touristen und wird sich in meiner Erinnerung vor allem als ein sehr lauter Ort einprägen. Da es kaum mehr freie Betten gab, musste ich ein Mehrbettzimmer direkt neben den Verstärkerboxen der hosteleigenen Partybar beziehen und so verbrachte ich eine weitere Nacht mit vernichtetem Schlaf. Die einzige Welle des hießigen Strandes war leider auch überfüllt mit einer Mischung aus Surfanfängern und eher aggressiven einheimischen Profisurfern. Ich hatte hier wenig Spaß und beschloss mich schnellst möglich wieder aus dem Staub zu machen.

Mein achstündiger Nachtbus nach Süden war Reisen in einer neuen Dimension. Da ich dringend Schlaf nötig hatte, kaufte ich das teuere Ticket für die auf dieser Reise erstmalig angebotenen "180 Grad Cama" Sitze. Es war das Paradies auf Rädern. Ich hatte meinen eigenen, riesenfetten Ledersessel, der sich in der Tat nahezu waagrecht verbiegen ließ. Dazu gab es Decken, Kopfkissen, ein Begrüßungssnack und Getränke. Auch die Sicherheitsvorkehrungen nahmen bislang ungeahnte Ausmaße an. Jeder Passagier musste vor dem Besteigen des Ortes zunächst einmal seinen Fingerabdruck hinterlegen und wurde kurz vor Abfahrt zusätzlich noch abfotografiert. Ich fühlte mich sicher.


"Huanchaco" hieß das Ziel dieser bequemsten Busfahrt aller Zeiten, und war eine Empfehlung, die auf meine Bedürfnisse passen sollte - ein entspannter Küstenort mit großen Wellen. Und so war es auch. Wer nach konsitenten, großen und ewig langen, linken Wellen sucht und diese nahezu für sich alleine haben will, der sollte hierher kommen. Auch wenn der Surf morgens etwas unheimlich war (der Nebel war teilweise so dicht, dass ich hinter den Wellen sitzend nicht einmal mehr das Ufer sehen konnte) kann man hier praktisch zwei Kilometer lang, vom einen Ende der Stadt ans andere gelangen, indem man nacheinander die langen und fast auschließlich nach links wegbrechenden Wellen reitet. Ein Traum!

Auch meine Unterkunft hätte besser nicht sein können. Drei Schwedinnen haben das "Lily Surf Hostel" vor knapp 6 Monaten eröffnet und sich viel Mühe damit gegeben, den Ort so gemütlich und familiär wie möglich zu gestalten. Eine der drei Blondinen ist außerdem verheiratet mit dem besten Surfbrett Shaper der Gegend, der wiederum seine genialen und schönen Bretter im Hostel zum Verleih anbot. Ich hatte nun also noch einmal Gelegenheit alle möglichen und unterschiedlichen Surfbretter auszuprobieren und glaube nun auch zu wissen, welche Maße mir am Besten liegen. Es genügt jezt nur noch eine e-mail, und ein paar Wochen später wird in Deutschland ein auf mich maßgeschneidertes Surfbrett ankommen. Mal sehen, ob ich es mir leisten kann nach dieser Reise!

Unweit von Huanchaco entfernt lagen als perfekte Halbtagesziele die großen Sandruinen von Chan-Chan, die seit 1986 um Unesco Weltkulurerbe gehören. Chan Chan entstand um 1300 und war wahrscheinlich die größte Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt, die aus Lehm errichtet wurde. Bevor die vermögende Stadt von den Inkas erobert wurde wohnten dort etwa 60.000 Einwohner. Noch heute ist da Areal knapp 30 km² groß und ein Teil davon zugänglich für Touristen. Es war ein geheimnisvoller Ort, dessen mystische und unwirkliche Atmosphäre zudem verstärkt wurde durch den dichten Nebel und die beißenden Rauchschwaden, die sich während meines Besuches überall in den Ruinen niederschlugen.

Am folgenden Tag, ereignete sich noch ein dummer Zwischenfall. Der Bankautomat war hungrig und verschlang meine Kreditkarte. Dies wiederrum verschlang einen halben Tag meiner Zeit mit Behördengängen, Telefonaten und Kartensperrung. Glücklicherweise hatte ich noch zwei Maestro Ersatzkarten dabei, die mich hoffentlich weiterhin flüssig halten werden. Nach dieser ganzen Aufregung war ich jedenfalls auch reif für Flüssiges und verpasste dem Tag mit einem gepflegten 5-Fuß Sunsetsurf doch noch ein positives und erfüllendes Ende.

Fun Facts:
  • Während das Wasser in Mancora noch angenehm und warm ist, ist der Pazifik im acht Stunden südlich gelegenen Huanchaco bereits so kalt, dass man zum Surfen einen dicken Neoprenanzug benötigt.
  • In Huanchaco allgegenwärtig sind die "Caballitos de Totora" („Schilf-Pferdchen“), kleine Schilfboote, die seit Tausenden von Jahren auf dem Meer zum Fischen verwendet werden. Heute werden damit auch Touristen für eine Rutschpartie auf den Wellen ausgeführt.

Checklist:
  • Kreditkarte verloren
  • durch die größten Lehmruinen der Welt gelaufen (und gehustet)
  • nach links gesurft










































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